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Zu Hause sterben: Palliativversorgung in Köln

Pflege in Köln Von , Verantwortlicher Redakteur 4 Minuten Lesezeit

Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben. Die meisten sterben im Krankenhaus. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt fast immer dasselbe: Die Familie wusste nicht, dass es eine Versorgung gibt, die genau das ermöglicht – und hat im Notfall den Rettungsdienst gerufen.

Was SAPV ist

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung nach § 37b SGB V ist ein Team aus Palliativärzten und Palliativpflegekräften, das nach Hause kommt – erreichbar rund um die Uhr, auch nachts und am Wochenende. Sie behandelt Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und Angst und arbeitet mit dem Hausarzt und dem Pflegedienst zusammen.

Der entscheidende Punkt ist die Rufbereitschaft. Sie ist der Grund, warum eine Familie nachts nicht die 112 wählen muss. Genau dieser Anruf führt sonst dazu, dass jemand seine letzten Tage auf einer Intensivstation verbringt – gegen seinen ausdrücklichen Wunsch.

Kostenlos, und der Pflegegrad spielt keine Rolle

SAPV ist eine Leistung der Krankenkasse, nicht der Pflegekasse. Für gesetzlich Versicherte ist sie vollständig kostenfrei – keine Zuzahlung, kein Eigenanteil. Sie ist unabhängig davon, ob ein Pflegegrad besteht, und sie schließt Pflegegeld, Pflegedienst oder Tagespflege nicht aus.

Wer sie verordnet

Jeder Arzt kann SAPV verordnen: Hausarzt, Facharzt oder der Krankenhausarzt bei der Entlassung. Voraussetzung ist eine nicht heilbare, fortschreitende Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung und einem besonders aufwendigen Versorgungsbedarf.

Fragen Sie selbst danach

Nicht jeder Hausarzt spricht SAPV von sich aus an – manche kennen die Leistung nur am Rand. Sagen Sie den Namen deshalb ausdrücklich: „Wir möchten eine Verordnung für SAPV nach § 37b SGB V."

Die Kasse muss zügig entscheiden, in der Praxis geht das innerhalb weniger Tage. Wenn Ihr Arzt zögert, wenden Sie sich direkt an ein Palliativteam – dort wird Ihnen gesagt, wie die Verordnung zustande kommt.

Die Kölner Struktur

Köln ist vergleichsweise gut versorgt. Die SAPV ist nach Gebieten aufgeteilt, sodass für jede Adresse ein Team zuständig ist:

  • Palliativteam SAPV Köln mit Teams für linksrheinisch, rechtsrheinisch Nord und rechtsrheinisch Mitte/Süd
  • Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln (Kerpener Straße) mit Palliativstation, palliativmedizinischem Dienst, eigener SAPV und ehrenamtlichem Hospizdienst
  • Das Palliativ- und Hospiznetzwerk Köln bündelt die Angebote und ist die beste erste Adresse, wenn unklar ist, wer zuständig ist

Welches Team Ihr Gebiet betreut, erfahren Sie über das Netzwerk oder Ihre Krankenkasse. Die Zuordnung folgt dem Wohnort, nicht der Kassenzugehörigkeit.

Die drei Wege am Lebensende

FormWoWann sinnvoll
SAPV zu Hauseeigene Wohnung Wunsch, zu Hause zu bleiben, und es ist jemand da
Stationäres Hospizeigene Einrichtung Versorgung zu Hause nicht mehr tragbar, Lebenserwartung Wochen bis Monate
PalliativstationKrankenhaus akute Symptome, die eingestellt werden müssen – oft zeitlich begrenzt

Die Palliativstation ist keine Endstation: Viele Patienten gehen von dort wieder nach Hause, nachdem Schmerzen und Atemnot eingestellt sind.

Ambulante Hospizdienste – der unterschätzte Teil

Neben der medizinischen SAPV gibt es die ehrenamtlichen Hospizdienste. Geschulte Begleiter kommen regelmäßig, sitzen da, hören zu, lesen vor – und ermöglichen den Angehörigen, für zwei Stunden das Haus zu verlassen.

Das ist kostenlos und unabhängig von jeder Verordnung. Sie können direkt anrufen, ohne Arzt und ohne Antrag. Viele Familien holen sich diese Begleitung viel zu spät, weil sie „Hospiz" mit den letzten Tagen verbinden. Die Begleitung kann Monate vorher beginnen.

Was Angehörige vorher klären sollten
  • Patientenverfügung – und zwar konkret. „Keine lebensverlängernden Maßnahmen" ist für Ärzte kaum verwertbar; es muss dastehen, welche Maßnahmen gemeint sind. Mehr unter Vorsorgevollmacht.
  • Notfallplan. Wen rufen wir nachts an? Die Nummer des Palliativteams gehört sichtbar an den Kühlschrank, nicht in ein Handy-Adressbuch.
  • Notfallmedikamente im Haus, vom Palliativteam erklärt – gegen Schmerzen, Atemnot und Unruhe.
  • Verhinderungspflege beantragen, damit die pflegende Person auch einmal schlafen kann.

Was in dieser Zeit trägt

Die letzte Phase ist für Angehörige körperlich und seelisch die härteste. Zwei Dinge helfen erfahrungsgemäß mehr als alles andere: dass jemand rund um die Uhr erreichbar ist – und dass jemand vorher erklärt hat, was normal ist. Dass die Nahrungsaufnahme aufhört, dass die Atmung sich verändert, dass niemand verhungert.

Diese Gespräche führen die Palliativteams. Fragen Sie danach, auch wenn es schwer fällt. Die Angst vor dem Unbekannten ist meist schlimmer als das, was tatsächlich kommt.

Für die Zeit davor: Wie sich Pflege zu Hause organisieren lässt, steht unter Pflegeangebote in Köln und Zu Hause bleiben. Kostenlose und unabhängige Beratung gibt es bei den Kölner Anlaufstellen.

Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Dieser Beitrag beschreibt die Rechtslage und die übliche Praxis. Ob und in welcher Höhe Ihnen eine Leistung zusteht, entscheidet allein Ihre Pflege- oder Krankenkasse – im Zweifel gilt deren Bescheid, nicht unser Text. Beträge und Fristen ändern sich; maßgeblich ist der angegebene Stand.

Verfasst von Andrzej Miac (Verantwortlicher Redakteur), zuletzt geprüft am 30. August 2026. Vermittelt seit Jahren Betreuungskräfte an Familien im Rheinland und kennt die Kölner Versorgungsstrukturen aus der täglichen Praxis. Wie wir arbeiten, prüfen und womit wir Geld verdienen, steht auf der Redaktionsseite. Einen Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren ihn.

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