Übergangspflege: der Anspruch, den kaum jemand kennt
Die Entlassung steht an, es gibt keinen Kurzzeitpflegeplatz, und zu Hause ist nichts vorbereitet. Für genau diese Lage gibt es seit 2022 einen Anspruch, von dem selbst manche Sozialdienste kaum sprechen.
Was Übergangspflege ist
Kann die Anschlussversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt nicht rechtzeitig organisiert werden, darf die Person im Krankenhaus bleiben – bis zu zehn Tage, bezahlt von der Krankenkasse. Nicht als Behandlung, sondern als pflegerische Versorgung, um die Lücke zu überbrücken.
Der Anspruch steht in § 39e SGB V. Er greift, wenn weder Kurzzeitpflege noch ein ambulanter Dienst noch eine Anschlussrehabilitation verfügbar sind.
Ohne diesen Anspruch entsteht Druck, irgendeine Lösung zu nehmen – den erstbesten freien Heimplatz, eine Versorgung, die nicht passt. Zehn Tage sind genug, um in Köln einen Kurzzeitpflegeplatz zu finden oder einen ambulanten Dienst aufzubauen.
Was Sie dafür tun müssen
Der Anspruch entsteht nicht automatisch. Sprechen Sie den Sozialdienst des Krankenhauses an, sobald ein Entlassdatum im Raum steht, und benennen Sie die Leistung ausdrücklich:
- „Es gibt keinen Kurzzeitpflegeplatz. Wir brauchen Übergangspflege nach § 39e SGB V."
- Lassen Sie sich schriftlich geben, was zur Vermittlung unternommen wurde.
- Wird abgelehnt, verlangen Sie die Ablehnung schriftlich – dann können Sie bei der Krankenkasse direkt nachfragen.
Die Entlassung wird terminiert, die Familie organisiert in zwei Tagen irgendetwas, und die Versorgung passt hinterher nicht. Das Entlassmanagement ist gesetzlich vorgeschrieben, aber es wird nur so gründlich, wie es eingefordert wird.
Was in der Zeit zu tun ist
Die zehn Tage sind knapp. Nutzen Sie sie in dieser Reihenfolge:
- Pflegegrad beantragen, falls noch keiner besteht – ein Anruf bei der Pflegekasse genügt, das Datum zählt. Im Krankenhaus gelten verkürzte Begutachtungsfristen.
- Kurzzeitpflege suchen – parallel bei mehreren Häusern, siehe Kurzzeitpflege in Köln.
- Ambulanten Dienst anfragen, wenn es nach Hause gehen soll. In den Kölner Randlagen ist die Suche mühsamer als innenstadtnah.
- Hilfsmittel verordnen lassen – Pflegebett, Rollator, Toilettenstuhl. Das läuft über den Krankenhausarzt und geht dort schneller als später beim Hausarzt.
Wenn zehn Tage nicht reichen
Dann bleibt Kurzzeitpflege als nächste Stufe, und wer die Verhinderungspflege noch nicht ausgeschöpft hat, kann Mittel übertragen – zusammen deckt das mehrere Wochen. Die Beträge stehen unter Pflegegrad und Leistungen.
Beraten lassen können Sie sich kostenlos und unabhängig bei einem Pflegestützpunkt. Wenn die Krankenkasse mauert, hilft die Unabhängige Patientenberatung weiter.
Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Dieser Beitrag beschreibt die Rechtslage und die übliche Praxis. Ob und in welcher Höhe Ihnen eine Leistung zusteht, entscheidet allein Ihre Pflege- oder Krankenkasse – im Zweifel gilt deren Bescheid, nicht unser Text. Beträge und Fristen ändern sich; maßgeblich ist der angegebene Stand.
Verfasst von Andrzej Miac (Verantwortlicher Redakteur), zuletzt geprüft am 16. August 2026. Vermittelt seit Jahren Betreuungskräfte an Familien im Rheinland und kennt die Kölner Versorgungsstrukturen aus der täglichen Praxis. Wie wir arbeiten, prüfen und womit wir Geld verdienen, steht auf der Redaktionsseite. Einen Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren ihn.