Druckgeschwür vermeiden: die wichtigsten Handgriffe
Ein Druckgeschwür kann innerhalb weniger Stunden entstehen und braucht Monate zum Heilen. Es ist die Komplikation, die pflegende Angehörige am meisten fürchten – und die am zuverlässigsten vermeidbar ist, wenn man weiß, worauf es ankommt.
Wie ein Dekubitus entsteht
Dauerhafter Druck presst die feinen Blutgefäße zusammen. Das Gewebe wird nicht mehr versorgt und stirbt ab – von innen nach außen. Deshalb ist das, was man auf der Haut sieht, oft nur die Spitze.
Gefährdet sind Stellen, an denen Knochen nah unter der Haut liegt: Kreuzbein, Fersen, Hüften, Schulterblätter, Ohren, Hinterkopf. Bei Sitzenden vor allem das Steißbein.
Drücken Sie mit dem Finger auf eine gerötete Stelle. Wird sie weiß und rötet sich danach wieder? Dann ist die Durchblutung intakt.
Bleibt die Rötung unter dem Druck bestehen, ist das Dekubitus Kategorie 1 – ein Alarmzeichen. Die Stelle muss ab sofort vollständig druckfrei bleiben, und der Hausarzt oder Pflegedienst sollte sie ansehen. Wer hier richtig reagiert, verhindert die offene Wunde.
Was tatsächlich vorbeugt
- Bewegung, so oft wie möglich. Umlagern nach Bedarf, nicht nach starrem Zeitplan – die alte Zwei-Stunden-Regel gilt als überholt. Wichtiger ist: Wer sich selbst noch drehen kann, soll es tun. Jede Eigenbewegung wirkt besser als jedes Umlagern.
- Druck verteilen mit Weichlagerungsmatratze oder Wechseldruckmatratze. Beides zahlt die Pflegekasse als Hilfsmittel.
- Fersen freilagern. Ein Kissen unter die Unterschenkel, sodass die Fersen in der Luft hängen. Die häufigste Dekubitusstelle überhaupt – und die am leichtesten zu entlasten.
- Haut trocken halten. Feuchtigkeit macht die Haut anfällig. Nach dem Waschen sorgfältig abtupfen, besonders in Hautfalten.
- Genug trinken und Eiweiß essen. Mangelernährung ist ein Hauptrisikofaktor – ohne Baumaterial heilt keine Haut.
- Täglich hinschauen. Beim Waschen die gefährdeten Stellen ansehen. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme.
- Nicht massieren – auch nicht die gerötete Stelle. Massage schädigt das ohnehin belastete Gewebe zusätzlich.
- Keine Melkfette, kein Puder, kein Franzbranntwein. Diese Hausmittel stehen in keinem Expertenstandard, und Puder verklumpt in Hautfalten.
- Keine Föhnbehandlung und kein Eis – beides schadet der Durchblutung.
- Nicht auf Gummiringe oder Fellimitate setzen. Sie verlagern den Druck nur an den Rand.
Wenn eine Wunde offen ist
Dann gehört das in fachliche Hände – nicht in Eigenbehandlung. Der Hausarzt verordnet Wundversorgung als Behandlungspflege über die Krankenkasse; ein Pflegedienst kommt und versorgt sie. Das läuft über § 37 SGB V und mindert Ihr Pflegekassenbudget nicht; mehr unter Häusliche Krankenpflege.
Bei schlecht heilenden Wunden lohnt eine Überweisung an eine spezialisierte Wundambulanz; mehrere Kölner Kliniken haben eine.
- Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratze, Lagerungshilfen und Pflegebett – über die Pflegekasse als Hilfsmittel, meist leihweise
- Wundversorgung durch den Pflegedienst – über die Krankenkasse
- Pflegekurs mit Schulung zu Hause – kostenlos, und hier besonders sinnvoll: Lagern lernt man nicht aus einem Text, sondern indem es jemand zeigt. Siehe Pflegekurse.
Kostenlose, fachlich geprüfte Anleitungen für Angehörige gibt das Zentrum für Qualität in der Pflege heraus. Die verbindlichen fachlichen Vorgaben stehen im Expertenstandard Dekubitusprophylaxe des DNQP – beide sind unten verlinkt.
Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Dieser Beitrag beschreibt die Rechtslage und die übliche Praxis. Ob und in welcher Höhe Ihnen eine Leistung zusteht, entscheidet allein Ihre Pflege- oder Krankenkasse – im Zweifel gilt deren Bescheid, nicht unser Text. Beträge und Fristen ändern sich; maßgeblich ist der angegebene Stand.
Verfasst von Andrzej Miac (Verantwortlicher Redakteur), zuletzt geprüft am 1. September 2026. Vermittelt seit Jahren Betreuungskräfte an Familien im Rheinland und kennt die Kölner Versorgungsstrukturen aus der täglichen Praxis. Wie wir arbeiten, prüfen und womit wir Geld verdienen, steht auf der Redaktionsseite. Einen Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren ihn.