SeniorenbetreuungKöln Wegweiser für Pflege & Betreuung

Schmerzen bei Demenz und im Alter erkennen

Für Angehörige Von , Verantwortlicher Redakteur 3 Minuten Lesezeit

Ein erheblicher Teil der Menschen mit Demenz in Pflegeeinrichtungen erhält keine ausreichende Schmerzbehandlung. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil Schmerz bei ihnen anders aussieht: Er äußert sich als Unruhe, als Aggression, als Rückzug – und wird dann als „Verhaltensauffälligkeit" behandelt.

Wie Schmerz sich zeigt, wenn Worte fehlen

Achten Sie auf Veränderungen gegenüber dem gewohnten Verhalten – nicht auf absolute Zeichen:

  • Gesicht: zusammengezogene Brauen, zugekniffene Augen, verzerrter Mund, angespannter Blick
  • Laute: Stöhnen, Jammern, Rufen, schnelleres Atmen, plötzliche Lautstärke
  • Bewegung: Schonhaltung, Reiben einer Stelle, Unruhe, Schaukeln – oder umgekehrt auffällige Starre
  • Abwehr bei der Pflege, besonders beim Waschen oder Bewegen eines bestimmten Körperteils
  • Verändertes Verhalten: plötzliche Aggression, Rückzug, weniger Essen, schlechter Schlaf, nächtliche Unruhe
Der teure Fehlschluss

Wenn jemand mit Demenz unruhig oder aggressiv wird, ist die häufigste Reaktion ein Beruhigungsmittel. Das dämpft das Verhalten – und lässt den Schmerz unbehandelt.

Fragen Sie deshalb immer zuerst: Könnte das wehtun? Ein Behandlungsversuch mit einem Schmerzmittel ist diagnostisch wertvoll: Wenn die Unruhe nachlässt, war es Schmerz. Sprechen Sie das beim Hausarzt ausdrücklich an – es ist ein etabliertes Vorgehen, wird aber selten von sich aus vorgeschlagen.

Die häufigsten übersehenen Ursachen

  • Der Mund. Druckstellen der Prothese, Karies, Entzündungen – siehe Mundpflege
  • Verstopfung. Sehr häufig, sehr schmerzhaft, wird kaum erfragt
  • Harnwegsinfekt – löst zusätzlich Verwirrtheit aus
  • Druckstellen und beginnender Dekubitus – siehe Druckgeschwür vermeiden
  • Arthrose in Hüfte, Knie, Schulter – tut vor allem bei Bewegung weh, also genau bei der Pflege
  • Eingewachsene Nägel, Hühneraugen, schlecht sitzende Schuhe
  • Verspannungen durch langes Liegen in derselben Position
Beobachtungen aufschreiben

Notieren Sie über eine Woche: Wann tritt die Unruhe auf, bei welcher Handlung, wie lange? Ein Muster („immer beim Anziehen des linken Arms", „immer nach dem Aufstehen") führt den Arzt schneller zur Ursache als jede Schilderung aus dem Gedächtnis. Dieselbe Notiz hilft bei der Begutachtung.

Was bei der Behandlung zählt

  • Regelmäßig statt bei Bedarf. Bei dauerhaftem Schmerz wirkt eine feste Gabe besser als das Warten, bis es wehtut – zumal jemand mit Demenz nicht danach fragen kann.
  • Wirkung prüfen und dokumentieren. Ändert sich das Verhalten? Das ist der einzige verfügbare Maßstab.
  • Nicht-medikamentöses ernst nehmen: Lagerung, Wärme, Bewegung, Physiotherapie, ruhige Ansprache. Wirkt oft mehr als eine Dosiserhöhung.
  • Nebenwirkungen im Blick behalten. Opioide verursachen Verstopfung – die dann wieder Schmerzen macht. Ein Abführmittel gehört dazu.
  • Bei schwer einstellbaren Schmerzen an eine Schmerzambulanz überweisen lassen; mehrere Kölner Kliniken haben eine. Am Lebensende übernimmt das Palliativteam.
Was Sie beim Arzt sagen sollten

„Ich glaube, sie hat Schmerzen, kann es aber nicht sagen. Mir ist aufgefallen, dass … Können wir einen Behandlungsversuch mit einem Schmerzmittel machen und nach zwei Wochen schauen, ob die Unruhe nachlässt?" Diese Formulierung führt erfahrungsgemäß weiter als die Bitte um „etwas zur Beruhigung".

Fachlich geprüfte Informationen für Angehörige gibt die Deutsche Schmerzgesellschaft heraus; praktische Anleitungen das Zentrum für Qualität in der Pflege – beide unten verlinkt.

Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall. Dieser Beitrag beschreibt die Rechtslage und die übliche Praxis. Ob und in welcher Höhe Ihnen eine Leistung zusteht, entscheidet allein Ihre Pflege- oder Krankenkasse – im Zweifel gilt deren Bescheid, nicht unser Text. Beträge und Fristen ändern sich; maßgeblich ist der angegebene Stand.

Verfasst von Andrzej Miac (Verantwortlicher Redakteur), zuletzt geprüft am 1. September 2026. Vermittelt seit Jahren Betreuungskräfte an Familien im Rheinland und kennt die Kölner Versorgungsstrukturen aus der täglichen Praxis. Wie wir arbeiten, prüfen und womit wir Geld verdienen, steht auf der Redaktionsseite. Einen Fehler gefunden? Schreiben Sie uns – wir korrigieren ihn.

Passend dazu